Glücklich in Dänemark, Teil 2: Kindheitserinnerungen

Was bedeutet Dänemark für ein Berliner/Odenwälder Mädchen in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts?

Da sind zum einen die Legosteine made in Billund, zwar Plastik, aber doch pädagogisch wertvoll und deshalb in großen Mengen in unserem Kinderzimmer. Ich erinnere mich an ganze Holzkisten voller Steine, die grünen Platten, auf die meine Schwester und ich weiße Häuser mit roten Dächern bauten, mit Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren als Personen, die Züge, die dank Batterien auf blauen Schienen fuhren. Auch an den Geschmack der Steine, wenn man versuchte, zwei von ihnen mit den Zähnen auseinander zu kriegen. Lego – eine viele Jahre lange Passion.

Da ist Hans Christian Andersen. Seine schwebenden, fast immer etwas traurigen Kunstmärchen: Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern, bei dem ich immer weinen musste, erfroren am letzten Tag des alten Jahres, der standhafte Zinnsoldat, das Holundermütterchen, die kleine Seejungfrau, der chinesische Kaiser und die Nachtigall, die Schneekönigin, die wilden Schwäne. Ich liebte Geschichten, einige konnte ich fast auswendig nacherzählen.

Da ist die Wohnung, in der wir lebten, kein Gelsenkirchener Barock, sondern modern, und das hieß damals: dänisches Design, incl. einer Kaffeekanne, bei der das Wasser von unten nach oben hochsprudelte. Ich erinnere mich an den Weihnachtsbaum, geschmückt mit roten Holzäpfeln und Kugeln, die wie Seifenblasen aussahen. Und den Nachbarn, der mit seiner Frau den Urlaub immer in Dänemark verbrachte, obwohl sie Multiple Sklerose hatte.

Und da ist schließlich der einzige Kindheitsurlaub, in dem ich meinen Vater ganz für mich allein hatte, denn meine Schwester war in der Sprachklinik auf Schloss Dern, weil sie stotterte, und meine Mutter in der Heidelberger Psychiatrie. August 1972: Hans und ich fahren zunächst nach Kopenhagen. An meinem Geburtstag sind wir im Tivoli, und ein Schnellzeichner erstellt ein Portrait von mir im Synthetik-Sommerkleid mit großen blauen und lila Blumen. Einige Tage später geht es weiter an die Nordseeküste. Ich erinnere mich an riesige weiße Sanddünen. Und ich glaube, dass mein Vater und ich glücklich waren, jeder auf seine Art. Zwei Wochen dürften wir in Dänemark verbracht haben, bevor es zurück in den problematischen Odenwälder Alltag ging.

Und da sind last-but-not-least Pat und Patachon, Stummfilme in s/w, aber Fernsehen war damals ja eh nur schwarz/weiß: Zwei dänische Vagabunden, der eine zu groß, der andre zu klein, die mich auch dann zum Lachen brachten, wenn es ansonsten nichts zu lachen gab. Dänenglück eben!

 

Glücklich in Dänemark, Teil 1: Nach Padborg ziehen?

Was fällt dir zu Dänemark ein? Vielleicht: Alle duzen sich, alles ist hyggelig, dazu noch Andersens Märchen, Sandstrand, Christiania in Kopenhagen, Carlsberg-Bier, Smörrebröd, dänische Möbel und Legoland. Aber ganz gewiss nicht Padborg. Wer oder was ist also Padborg?

Pfingsten 2020: Auf der Rückfahrt vom coronageplagten Fehmarn wird uns klar, dass wir Ostsee (ich) oder Nordsee (Klaus) dem Vogtland (wo unser nach wie vor sanierungsbedürftiges Haus steht) ganz eindeutig vorziehen. Und dass es also viel sinnvoller ist, als Rentner*in nach Schleswig-Holstein denn nach Thüringen zu ziehen.

Auf Immoscout24 versuchte ich deshalb, mit der Maus eine Linie um S-H zu ziehen mit der Maßgabe: Haus oder Wohnung bis 100.000 Euro. Am liebsten in Lübeck oder Flensburg. Nun, es gelang mir nicht, den Strich exakt entlang der deutsch-dänischen Grenze zu ziehen – ich erwischte noch ein paar Kilometer in Dänemark und damit: Padborg! Und dort ein Haus aus dem Jahre 1927 im Rahmen unseres Preislimits.

Ich wette, niemand außer den Padborgern selbst und den Leuten in unmittelbarer Nähe kennt Padborg. Es ist einfach der erste dänische Ort jenseits der Grenze und damit IC-Haltestelle: Von hier aus kommt man per Bahn in Nullkommanichts nach Hamburg und Kopenhagen – und in nur zehn Minuten nach Flensburg. Ansonsten zeichnet es sich durch jede Menge Spediteure, ein kleines Museum, eine Bibliothek und zwei Supermärkte aus, die auch sonntags geöffnet haben – und 4.337 Einwohner.

Aber was ist mit der See? Nun, die nächsten Ostseestrände sind der deutsche in Wassersleben (6,3km) und der dänische in Kollund (9,5km). Nur zur Nordsee dauert es etwas länger: Bis nach Emmerlev Sogn muss man 57,6km radeln. Auch nicht die Welt.

Warum also nicht glücklich in Padborg, auch wenn es im Gegensatz zu Greiz kein einziges rotes oder blaues Sternchen für besondere kulturelle Sehenswürdigkeiten oder Naturschönheiten hat? Nun, vor das dänische Glück hat der dänische Staat die Notwendigkeit gesetzt, eine dänische Niederlassungserlaubnis zu bekommen. Warten wir es also ab!