Donnerstag, 13.9.2018: Glückliche Kinder

Heute am Mittagstisch haben wir mit unserer 14jährigen Tochter diskutiert, wie aus einem Kind ein glückliches Kind wird – und später ein starker, glücklicher Erwachsener.

Folgende Punkte sind uns eingefallen:

  1. Glück als wichtigstes Erziehungsziel.
  2. Glückliche Eltern. Wenn Eltern sich dauernd streiten oder sich gar scheiden lassen, sind auch die Kinder unglücklicher. Dabei ist es gleich schlimm, ob die Eltern offen miteinander streiten oder hinter dem Rücken der Kinder (die schlicht einen 7. Sinn dafür haben, dass etwas nicht stimmt). Kinder brauchen Geborgenheit.
  3. Probleme verheimlichen, für die Kinder angeblich zu jung sind, um sie zu verstehen – seien es politische, finanzielle oder gesundheitliche Probleme der Eltern. Auch hier gilt das Prinzip des 7. Sinns. Also besser, sie gleich mit den Kindern besprechen, in einer kindgerechten Form.
  4. Kinder anschreien oder ihnen sonstwie Angst machen, frei nach dem Motto: Ein Klapps auf den Po hat noch niemandem geschadet. Das stimmt nicht.
  5. Kinder bestrafen. Es gibt einen Unterschied zwischen Konsequenz und bestrafen. Wenn ich mein Handy ins Wasser fallen lasse, dann habe ich keins mehr (und kriege auch nicht morgen von Mama oder Papa Ersatz). Wenn ich jemand anderem etwas kaputt mache, dann muss ich es von meinem Taschengeld ersetzen. Das ist Konsequenz. Hausarrest ist eine Strafe – Strafen demütigen anstatt zur Einsicht zu führen.
  6. Inkonsequente Erziehung / Begleitung des Kindes: Ich kenne jedwede Menge Eltern, die irgendwann nachgeben, wenn die Kinder nur lang genug quengeln. Wie sollen aus diesen Kindern je realitätsbewusste, starke und glückliche Menschen werden? Wenn ich dem Kind erklärt habe, dass ich keine Süßigkeiten kaufen möchte, dann muss ich auch standhaft bleiben. Meine Erfahrung: Die zeitliche Länge des Quengelns ist dann zwar beim ersten Mal sehr lang – dafür im Anschluss schon im Kindergartenalter extrem kurz.
  7. Ehrgeizige Eltern. Eltern, denen es wichtig ist, dass ihre Kinder Abi machen und die ständig Hausaufgaben kontrollieren, werden selten glückliche Kinder haben. Ich hatte allen Ernstes in meiner kurzen Zeit als Nachhilfelehrerin zwei Gruppen mit Viertklässlern, die auf Gymnasium gedrillt werden sollten. So ein pädagogischer Unsinn!
  8. Freundschaften. Kinder brauchen Freundschaften – und für Freundschaften brauchen sie Freizeit.
  9. Nichtdirektive Erziehung oder besser: Begleitung des Kindes. Ich bin zum Beispiel eher ein ängstlicher Mensch. Also habe ich die Augen zugemacht, wenn meine Tochter auf Bäume geklettert ist, anstatt es ihr zu verbieten. Auch die Wahl der Schule hat unser Kind selbst getroffen (5,5 Jahre Freie Aktive Schule, 1 Jahr Gymnasium, seit gut 1,5 Jahren Waldorfschule). Nichtdirektiv bedeutet, das Kind in einer vorbereiteten Umgebung alle Entscheidungen selbst treffen zu lassen. Vorbereitete Umgebung, denn eine rote Ampel auf der Straße ist eben eine rote Ampel, und die gilt es zu beachten. Mehr dazu bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtdirektive_Erziehung
  10. Das Kind mit der Realität konfrontieren, anstatt ihm eine “Glitzer-Regenbogen-Einhorn-Welt” zu präsentieren, wie meine Tochter den Gegenentwurf nennt. Meine Tochter sagt, dass die reale Welt komplizierter sei, aber sie sie lieber möge – sie ist schrecklicher und schöner zugleich. Das Problem: Die meisten Kinder ihres Alters leben noch in der Pseudowelt.
  11. Das Kind möglichst bewusst durch alle vier Stufen der Entwicklung laufen lassen: Vorsoziale frühkindliche Zeit; die Zeit, an der man sich an den Regeln der Erwachsenen noch gern orientiert; die Zeit des wissenschaftlichen Skeptizismus, der alles Infrage stellt (da ist unsere Tochter schon seit langer Zeit drin); schließlich das Entdecken der Welten der Weisen, jenseits der Wissenschaft (von dieser Welt hat sie bisher nur einige kurze Augenblicke erhascht). Und wer weiß, vielleicht gibt es ja noch eine 5. Stufe danach. Ihr Problem: Ihres Altersgenossinnen sind noch nicht auf Stufe 3 angelangt, siehe Punkt 9.
  12. Kindern Naturerlebnisse ermöglichen – jeden Tag. Wie soll ein Kind, das nicht im Matsch spielen und sich dreckig machen kann, glücklich werden? Vielleicht ist deshalb ein Mädchen aus meinem Bekanntenkreis, das immer adrett und sauber sein sollte, Fußballerin geworden…
  13. Den Kindern erklären, warum Handies und Internet nicht glücklich machen. Meine Tochter kennt diverse Mädchen, die sogar auf dem Handy daddeln, wenn sie bei anderen Mädchen zu Besuch sind. Der Unterschied: Wir haben unser Tochter nie Limits gesetzt, wie lange sie im Internet sein darf oder am Handy daddeln, d.h., wie haben nie Verbote ausgesprochen. Und dadurch hat das Handy nie den Reiz des Verbotenen gehabt.
  14. Selber optimistisch, empathisch und voller Selbstvertrauen sein – das überträgt sich auf die Kinder. Und wenn man es nicht ist – stetig daran arbeiten.

 

Bestimmt gibt es noch mehr Punkte. Welche fallen Ihnen ein?  Wir haben jedenfalls ein Kind, das uns noch alles erzählt, sich nicht ritzt, Alkohol trinkt,  raucht oder an Selbsttötung denkt, alles Punkte, die sie von vielen ihrer Altersstufe unterscheidet. Zum Ausgleich ist sie ein kritischer Geist, der sich kein X für ein U vormachen lässt und alles hinterfragt.

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