Montag, 10.9.2018: Sofia Kowalewskaja – Zu viel Glück

Sofja Kowalewskaja (1850-1891)

Als ich mir aus dem Bücherschrank meiner Schwester Alice Munros “Zu viel Glück” herauszog, wusste ich nicht, dass die gleichnamige zehnte Erzählung des Bandes nicht komplett fiktiv ist, sondern die letzten Tage im Leben der russischen Mathematikerin Sofja Kowalewskaja schildert, der ersten Mathematik-Professorin der Welt (die Stockholmer waren so fortschrittlich), gestorben mit nur vierzig Jahren. Ein Krater auf dem Mond ist nach ihr benannt.

Ihre letzten Worte sollen gewesen sein: “Zu viel Glück!” Wie hat sie das gemeint?

“Sie starb gegen vier Uhr. Die Autopsie sollte ergeben, dass ihre Lunge von einer Entzündung völlig zerstört war und dass ihr Herz krankhafte Veränderungen aufwies, die mehrere Jahre zurückreichten. Ihr Gehirn war, wie alle erwarteten, groß.”

Hat sie zu viel Glück gehabt, weil sie das Glück der Zahlenwelt schon als Kind für sich entdeckt hat? War dieses Glück stärker als alle Schicksalsschläge und ihr früher Tod? Kann ein Mensch überhaupt zu viel Glück haben?

Jedenfalls war sie willensstark und genial. Seit 1992 verleiht deshalb die Russische Akademie der Wissenschaften für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Mathematik den nach ihr benannten Kowalewskaja-Preis.

Alice Munro: Zu viel Glück. Zehn Erzählungen. (c) der dt. Übersetzung S. Fischer 2011, Original: Too much Happiness, (c) A. Munro 2009

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

sechs + sechzehn =