Winter in Kopenhagen

Kaufhaus Illum

Zugfahrt Padborg – København und zurück: 622km = 10,84 kg CO2
Hotelzimmer ohne täglichen Roomservice: 8m² pro Nase x 3 Nächte = 1,30 kg CO“

Donnerstag, 12.02.2026

Über den verlängerten Valentins-, welcher gleichzeitig unser Hochzeitstag ist, sind wir dieses Jahr erstmals zusammen nach Kopenhagen (auf dänisch København) gefahren – bei Minusgraden. Unser Hotel Ascot (Studiestræde 61) wird von anderen Reisenden als „magisch“ beschrieben, aber davon merken wir nicht viel: Wohl ist der Eingangsbereich sehr schön (19. Jahrhundert, viele Kerzen, ehemaliges Badehaus), aber die Zimmer sind denn doch im dänischen Einheitsdesign gehalten, grau-beige-weiß, mit viel Kunststoff, kaltem Deckenlicht und Ausblick auf einen tristen Innenhof ohne ein Fitzelchen Grün. Wir werden hier nicht frühstücken (weil teuer und auf dem Foto nur ein einziges Salatblatt zum Thema Obst & Gemüse erkennbar ist). Rein zum Übernachten stimmt das Preis-Leistungsverhältnis jedoch: Wir zahlen insgesamt 275€ in drei Nächten, für København fast schon ein Schnäppchen.

Da es schon spät am Nachmittag ist, erkunden wir erst einmal Teile der Fußgängerzonen (Plural!). Det Gamle Apotek (Vimmelskaftet 46) hat im Verhältnis zum Hauptsitz bei uns in Tønder nicht viel zu bieten, das Kaufhaus Illum (Østergade 52, siehe Foto oben) ist äußerst schick und erinnert mich an das Berliner KaDeWe. Da um 18 Uhr so ziemlich alle Läden schließen, gehen wir noch in der Nähe Abendessen, ins 42Raw (Pilestræde 32B). Sie haben zwar vegane Burgerpatties, aber mit veganen Saucen sieht es etwas schwierig aus, bedarf einiger Diskussionen auf Dänisch – und vermutlich habe ich mir dort die späteren Tierisches-Fett-Knieschmerzen eingefangen – und die neue Chilisauce war denn doch eher vegetarisch.

Zum Glück hat Klaus ein Hochzeitstagsgeschenk für uns beide dabei: eine Flasche bioveganen Barolo, Jahrgang 2017, und zwei wie Rosen geformte Weingläser. So sind unsere drei Abende gerettet.

Freitag, der Dreizehnte

Nun, der Freitag kann tagsüber nur besser werden als der Donnerstag, und das wird er auch: Wir frühstücken im Vital Foods (Kompagnistræde 41) Burritos Tofu Scramble, die recht lange satt machen. Anschließend laufen wir zu Det Grønlandske Hus (Løvstræde 6). Dort gibt es eine Ausstellung der Malerin Julie Olsen, kostenlosen Tee und jede Menge Bücher über Grönland und von Grönländer*innen zu kaufen, von denen ich eins erstehe. Wenn dir der Sinn nach Gruseligem steht: auch Tupilaks hat es dort, Totengeister… Nur wenige Meter entfernt um die Ecke liegt eine der größten Buchhandlungen Københavns, Arnold Busck (Købmagergade 49). Sie haben eine stolze Auswahl nicht nur an dänisch-, sondern auch an englischsprachiger Literatur, und ich kaufe für schlappe 7,38€ ein Taschenbuch der anarchistischen Science-Fiction-Schriftstellerin Ursula K. Le Guin (1929-2018).

Dann fahren wir mit der Metro zur Station Christianshavn – der Transport mit Öffis (oder auch Ausflugsbooten) übers Wasser funktioniert derzeit nicht, alles zugefroren. Was sehr schade ist, denn es gibt gerade das alljährliche Copenhagen Light Festival (https://copenhagenlightfestival.org/da/), und das hätte man vom Kanal aus am besten bewundern können!

Christiania

Von der Metro laufen wir in die Freistadt Christiania, die eines der Highlights unseres  Kurzurlaubs wird. Sie besteht seit 1971 und ist eine staatlich geduldete autonome Gemeinde. Das fällt schon beim Blick zu Boden auf: Hier wird mit Sand gestreut statt mit Salz wie sonst überall. Schon am Eingang machen die Bewohner*innen darauf aufmerksam, das Hasch okay ist, harte Drogen wollen sie hingegen nicht haben. Wichtig gerade wegen der früheren Bandenkriege, bei denen es auch zu Toten kam. Wir essen vegan im Square Burger, besuchen die berühmt-berüchtigte Pusher Street , das Geschäft Lykkes Jule (zu deutsch Glücksweihnachten), Christianias Kunsthandwerk, die grüne 2nd-Hand-Halle und schließlich den empfehlenswerten Bio-Einkaufsmarkt „Indkøberen“, wo es heißen Beerensaft für 15 DKR gibt (rund 2€). Dann laufen wir am zugefrorenen Wasser entlang durch die ruhigen Wohngebiete mit den vielen selbst gestalteten (Holz-)Häusern, eines spannender als das andere. Gern würde ich hier einmal für ein paar Tage wohnen!

Zurück in der Innenstadt besuchen wir die Torvehallen (Markthallen, Frederiksborggade 21). Am Stand von Glean essen wir super-leckere Luxus-Schokoküsse, natürlich vegan aus Kichererbsenwasser. (Eine andere Rezeptidee für das auch Aquafaba geheißene Wasser findest du hier: https://magische-weihnachten.de/vegane-schneebergle/.) Die Sorten tragen so schöne Namen wie Yuzu, Fastelavn (Fassenacht) oder Valentines. Und sind genauso dekoriert.

Wenn du schöne Halbedelsteine (oder Esoterisches) suchst, bist du bei Tessies goldrichtig (Fiolstræde 14). Ich erstehe einen Lapislazuli. Ein weiteres Muss ist das Antiquariat-Buch-Café Paludan gleich nebenan (Fiolstræde 10). Hier kannst du stundenlang stöbern oder eine Kleinigkeit essen (sehr viel Bio) vor der Kulisse deckenhoher Regale voller uralter Schmöker, in Leder gebunden und mit Golddruck.

Um 18:30 Uhr folgt dann das dritte unserer insgesamt fünf Highlights: Wir gehen ins Grand Teatret (Mikkel Gryggers Gade 8), ein riesiges, rotplüschiges Kino, und schauen einen englischsprachigen Film mit dänischen Untertiteln, Wuthering Heights, der Regisseurin Emerald Fennell. Er beruht auf dem gleichnamigen Roman Emily Brontes, und obwohl der Film sich nur auf die Liebesgeschichte zwischen Cathy und Heathcliff konzentriert UND ich das Buch gelesen habe, gefällt mir die Umsetzung, und ich vergieße am Ende jede Menge Tränen. Zurück im Hotel hören wir uns dann nochmal auf Klausens Handy die Version von Kate Bush zum Thema an…

Samstag, 14.02.2026

Auch unser 12. Hochzeitstag wird von einem Highlight gekrönt: Dem veganen Frühstück im Café Feel Good – Food for all your senses (Nørre Farimagsgade 55). Obwohl nicht bio ist es doch das beste unserer drei Morgenmahle, siehe Foto.

Anschließend besuchen wir das SMK, das Statens Museum for Kunst (Sølvgade 48-50). Es ist riesig, und man sollte nicht alles sehen wollen. Für uns am interessantesten sind Französische Kunst 1900-1930 und Moderne. Letztere entdeckt man vom Hauptaufgang aus nicht sofort, denn man muss über eine Brücke vom Historischen Gebäude in den Neubau wechseln – aber es gibt ja Lagepläne! Wenig Kunst von Frauen im 19. Jahrhundert und davor, und auch im 20. Jahrhundert wird es nur allmählich besser. Für eine kurze Pause empfiehlt sich das Museumscafé Magnolia, geschmückt mit japanischen Papierlampen in allen denkbaren Formen, aber nur einer Farbe (weiß). Hier achtet man auf Nachhaltigkeit. Es gibt Biobier der Marke Brøl („Brülle“), das auf so merkwürdige Namen hört wie „Give a Damn“ oder „Bla Bla Blanc“ oder aber – und das nehme ich – Feigenblattlimonade!

Alles weiß in København!

Erschöpft vom Museumsbesuch gehen wir im Café Munk indisch essen (Nørre Farimagsgade 55, direkt neben dem Feel Good). Der Laden ist proppevoll, es sind viele indischaussehende Leute dort und ich höre von einem von ihnen, er habe noch nie so gutes indisches Essen genossen. Nun, vielleicht war seine Mutter kochunbegabt. Wir finden es jedenfalls nur mittelprächtig – im Flensburger Ajay (Große Straße 42-44) isst man besser.

Nyhavn – alles ist zugefroren

Sonntag, 15.02.2026

An unserem Abreisetag gehen wir zum Frühstücken ins Ø.12 (H.C. Andersens Blvd. 8) direkt neben unserem Hotel. Leider gibt es hier nur eine vegane Möglichkeit, nämlich Porridge, und das ist von der Portion her sehr überschaubar. Trotzdem beliebt: Die Warteschlange reicht bis auf die Straße!

Danach besuchen wir noch Nyhavn, was auf jedem zweiten Reiseführer abgebildet ist (siehe Foto). Obwohl keine Ausflugsboote fahren, tummeln sich doch die Touristen, und es ist dank des strahlenden Sonnenscheins auch wirklich schön hier.

Wir laufen bis zum Ende, umrunden das Schauspielhaus und landen schließlich im MACA Museum (Toldboldgade 12), Highlight Nummer 4. MACA bedeutet Masters & Contemporary Art. Die Ausstellungen widmen sich der Street Art (vulgo: Graffities) und American Weird Artists, angefangen bei Edgar Allan Poe. Und weird heißt in diesem Fall auch wirklich weird!

Lady Pink

Im größten Teil der Ausstellung geht es aber tatsächlich um Sprayer, nur wenige von ihnen sind weiblich (wie bambi die obige Lady Pink). Und einige von ihnen sind berühmt geworden, Banksy oder Keith Haring zum Beispiel. Sehr anarchistisch, sehr politisch das Ganze, und die Ausstellung vermittelt auch viel über Geschichte (zurück bis in die Steinzeit!) und Hintergründe. Wenn du also ein paar originale Banksys sehen willst – unbedingt hingehen!

Unser letztes Highlight liegt gleich um die Ecke: das Bistro Verde (22 Sankt Annæ Plads). Veganes Essen der Extraklasse, hier stimmt wirklich, was sie auf der Webseite über sich sagen: Ihre Köche arbeiten Magie aus Pflanzen (https://www.bistroverdecph.com/about). Ich entscheide mich für ein „JUICY MARBLES™ STEAK: 113 gram grilled „steak“ with mashed potatoes, sautéed asparagus and caramelized carrots. Served with a tangy sauce bearnaise“.

Und weil’s so schön war, kommt als Nachtisch noch ein NY Cheesecake hinzu, „Smooth cheesecake on a crisp biscuit base topped with popcorn caramel“. Nicht ganz so gut wie das Hauptgericht, aber immer noch klasse.

Dann heißt es Abschied nehmen von der Hauptstadt. Wir fahren mit dem 26er-Bus zum Bahnhof und von dort mit einem der alten Züge (wir nennen sie Schleiereulen-Express, weil sie von vorne genauso ausschauen) gen Westen, gerade zur Goldenen Stunde. Die Sonne glitzert auf den schnee-eisigen Feldern. Zauberlandschaft mit den Silhouetten blattloser Bäume. Zartweiße, schleiernde Wolken unterbrechen das helle Himmelsblau. Hasen und Rehe. In der Nacht soll es zweistellige Minusgrade geben. Ein Holzstuhl steht einsam und eingeschneit in einem Garten. Großer Belt. Dann die Blaue Stunde. Und schließlich Nacht. An einigen Häusern noch Weihnachtsbeleuchtung. Kleiner Belt. Fredericia. Und kurz vor 20 Uhr zurück in Padborg.

Schön war’s!