
E-Zugfahrt Padborg-Esbjerg und zurück: 310,2km = 5,40kg CO2/Nase
Diesel-Bus Esbjerg/Bahnhof – Fähre und zurück: 4km = 0,38kg CO2/Nase
E-Fähre Esbjerg-Nordby und zurück: ca. 4km = 0,32kg CO2/Nase
FeWo 51m², 7 Tage, 2 Leute = 9,639kg CO2/Nase
Dieses Jahr haben wir Weihnachten erstmals ohne unsere Tochter gefeiert und die dänische Nordseeinsel Fanø erkundet. Gerade einmal 3.270 Menschen leben hier auf 61,1 km2. Am 20.12. kommen wir in Fanøs Hauptort Nordby an, gelegen an der Ostseite der Insel mit Blick auf Esbjergs Industrieromantik auf dem Festland.
Æ klæg
Weil wir unsere Ferienwohnung erst ab 16 Uhr betreten können und noch Zeit haben, trinken wir unterwegs noch ein Bier und essen Chips in einer Mischung aus Kneipe und Café. Wie man den südjütischen Dialekt-Begriff æ klæg übersetzen könnte (ich bin mir ziemlich sicher, dass æ = ein ist), darüber streiten sich Google und DeepL. Ersterer schlägt „Oh, cool!“ vor, letzterer meint, dass es „æ klebrig“ heißen könnte. In der gemütlichen Kneipe lassen sich jedenfalls viele Brettspiele spielen, und die Auswahl an Biersorten ist sehr groß. (Havnevej 2, Nordby)
Dann nehmen wir die 48 Gehminuten bis zu unserer Ferienwohnung in Fanø (Vesterhavets)Bad in Angriff (3,5km ab Fähre). Auf dem Weg liegt der SuperBrugsen-Markt (Hovedgaden 87, Nordby), der wie bei uns in Padborg viele Biowaren führt.
Kellers Badehotel
Es erweist sich leider, dass Fanø Bad relativ heruntergekommen ist (tiefe Wasserlöcher auf dem Strand), und mit unserer Ferienwohnung sieht es nicht viel besser aus. Aber wir trinken abends einen vorzüglichen Rotwein im vollbesetzten Kellers Badehotel (Strandvejen 48, Fanø Bad), und das versöhnt. Auch die Bedienung dort ist sehr zuvorkommend.
Tags darauf ist Wintersonnenwende, wir feiern mit Kerzen die Wiedergeburt des Lichts und machen einen langen Strandspaziergang, sammeln Wellhornschnecken, Strahlenkörbchen und Amerikanische Schwertmuscheln. Dann laufen wir noch einmal nach Nordby und besorgen im SuperBrugsen weitere weihnachtliche Kerzen mit Tannenbäumen drauf, rote Tulpen (in Ermangelung roter Glaskugeln) und alles, was wir für’s Weihnachtsessen noch brauchen. Kurzer Abendspaziergang: Wir stellen fest, dass es in den Nebenstraßen von Fanø Bad keine Straßenlaternen gibt – sie sind so stockdunkel, dass man eine Taschenlampe braucht!
Und wir müssen leider auch feststellen, dass es quasi keine Busse hierher gibt: Der Linienbus ab Nordby (30 DKR) fährt nur an Sams-, Sonn- und Feiertagen nachmittags hierher, jedoch NIE einer dorthin zurück. Und ja, zwischen 18 und 23 Uhr kann man sich einen etwas teureren Telebus (40 DKR) mit 2 Stunden Vorlauf bestellen, aber am 24.12. nimmt z.B. niemand den Hörer ab. Es empfiehlt sich daher keine FeWo in Fanø Bad, auf dieser Insel machen nur Nordby und Sønderho Sinn.
Auch am 22.12. machen wir einen Strandspaziergang, diesmal weit nach Norden auf den Søren Jessens Sand. Der Name geht auf einen Seeman zurück, der hier Anfang des 18. Jahrhunderts mit seinem Schiff auf Grund lief. Wir sammeln ein mehrere Meter langes Kabel und eine Kinder-Sicherheitsweste ein und entsorgen sie ordnungsgemäß. Danach besuchen wir
Fanø Chocolade
im Lærkevej 4 in Fanø Bad. Hier werden die (nichtveganen) Pralinen noch in Handarbeit hergestellt. Sie schmecken himmlich! Einige der 11 magischen Sorten: Sanddorn, Apfelsine, Minze, Lakritzkaramel, Schwarze Johannisbeere oder Salzkaramel. Zu Kaffee, Kakao usw. kann man gegen 5 DKR Aufpreis Hafer- statt Kuhmilch bekommen. Alles sehr lecker!
Anschließend laufen wir noch zum Spar (Strandvejen 27, zwischen Fanø Bad und Nordby gelegen) und kaufen Bio-Müsli. Auch Bio-Brot gibt es übrigens, in der Tiefkühltruhe.
Rechtzeitig zu einem schönen Sonnenuntergang kommen wir wieder am Meer an.

Auf nach Sønderho
Tags darauf, am 23.12., treffen wir uns im 09:10er-Bus von Nordby nach Sønderho mit meiner Schwester Gaby und ihrem Freund Holger, die für vier Nächte in Nordby untergekommen sind. Sønderho gilt als schönstes Dorf Dänemarks. Viele reetgedeckte Häuser empfangen uns. Da die Hüft-OP Holgers noch nicht lange zurück liegt, beschränken wir uns auf die Sehenswürdigkeiten im Dorfkern.
Sønderho Kirke
Die Kirchen in Sønderho und Nordby stammen aus dem 18. Jahrhundert, enthalten aber auch Inventar aus früheren Zeiten, die hiesige z.B. ein romanisches Taufbecken. Die beiden Kirchen ersetzten die Rindbys in der Inselmitte, die zu klein geworden war. Sie sind etwas ganz Besonderes: fast quadratisch im Grundriss, wurden die Bänke an DREI Seiten rund um den Altar angeordnet. Hier in Sønderho hängen 15 Segelschiffe von der Decke, damit hat das kleine Dorf (300 Einwohner) die höchste Anzahl von Kirchenschiffen in ganz Dänemark.
Natürlich hat bis auf den Dagli‘ Brugsen-Markt (Landevejen 42, Sønderho) alles geschlossen, aber auch so ist es schön, das Dorf zu erkunden. Es war im 19. Jahrhundert eine Künstlerkolonie und hat ein eigenes, zu dieser Jahreszeit geschlossenes Kunstmuseum. Ich würde hier wirklich gerne einmal „in der Saison“ eine Ferienwoche verbringen!
Ravsmeden Jens Peter Jensen
Wörtlich übersetzt: Der „Bernsteinschmied“ (also: -schleifer) Jens öffnet um 11 Uhr sein kleines Geschäft (Landevejen 40, Sønderho). Ich erstehe sehr schöne Bernsteinknöpfe, die zur hiesigen Frauentracht gehören. 220 DKR für sechs Stück, nicht geschenkt, aber sie sind es wert.
Café Tre Søstre
Dann kehren wir bei den „Drei Schwestern“ im Landevejen 60 ein, die zur selben Zeit öffnen. Das Geschirr ist leider auf To Go eingerichtet, aber man kann hier auch nett sitzen und Zeit verbringen. Es gibt Hummus-Sandwiches, Gløgg und Tee. Schöne Fotobände über die Fanøer Trachten liegen aus, und auf gut getroffenen Zeichnungen sind die Besitzerin und ihr Mann dargestellt – in Hochzeitstracht! Trachten, Musik und Tanz der Insel sind noch so lebendig, dass die Einwohner*innen beschlossen haben, einen Antrag auf Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbeliste zu stellen. Wer sie dabei gerne unterstützen möchte, kann sich wenden an: info@fanokulturarv.dk.
Fanø Krogaard
Kurz nach 13 Uhr fahren wir mit dem Bus zurück nach Nordby. Es erfordert einiges Suchen, aber schließlich gelingt es uns, ein gutes und gleichzeitig OFFENES Restaurant zu finden. Im Fanø Krogaard (übersetzt: Krughof, Langelinie 11, Nordby) bekomme ich eine völlig außergewöhnliche vegane Vorspeise: grüne Oliven mit ebenso grünen und kleinen Pfirsichen (!), eingelegt in Olivenöl, mit Thymian und geriebener Zitronenschale. Das beste Auswärts-Essen des gesamten Urlaubs!
Am 24.12. laufen Gaby und Holger zu uns. Ich koche zunächst das traditionelle Weihnachtsdessert „Risengrød“, danach geht es runter zum Strand. Zwischendurch bricht ganz wunderbar die Sonne durch die Wolken. Zurück in der FeWo bereite ich Rapunzel-Tomaten-Salat als Vorspeise und Bratkartoffeln mit Lauch und Tofu als Hauptgericht zu. Nach dem Essen bescheren wir, und um 17 Uhr geht es im Halbdunkel wieder auf die Ostseite der Insel zur
Nordby Kirke.

Um 18 Uhr findet in dieser historischen Umgebung zum ersten Mal ein evangelischer Weihnachtsgottesdienst in DEUTSCHER Sprache statt. Es ist ein Experiment, und zwar ein gelungenes: Die Kirche ist rappelvoll! Der Pfarrer selbst ist extra aus Northeim bei Göttingen angereist und hält eine sehr stimmungsvolle Predigt, bei der es um die Friedensbotschaft geht und darum, dass die roten Kugeln an vielen Bäumen (nicht an dem im Kirchenraum) eigentlich Paradiesäpfel darstellen – ein Zeichen, dass der Garten Eden wiederkommen kann.
Nach dem Gottesdienst gehen wir durch den festlich-lichtergeschmückten Ort (mehr, als in Deutschland üblich) zur Ferienwohnung meiner Schwester, spielen eine Runde „Bazaar“ und laufen danach auf neuen Wegen, weihnachtsbeleuchtet, zurück nach Fanø Bad.
Esbjerg
Auch am 25.12. gehen mein Mann Klaus und ich etwas abseits der Hauptstraße durch den Dünenwald. Ganz nah von uns läuft ein Reh über den Weg. Fasanen gibt es auf der Insel ebenfalls. Am Hafen treffen wir Gaby und Holger und nehmen die Fähre in die Industriestadt Esbjerg. Eine Robbe taucht im Wattenmeer auf!

1870 hatte Esbjerg erst 470 Einwohner, heute sind es 73.000 – damit ist es die 5.größte Stadt Dänemarks. Auch hier hat fast alles zu. Wir durchqueren die Fußgängerzone vom einen Ende zum anderen. Am Marktplatz ist eine Schlittschuhbahn aufgebaut und auch ein spannendes Café geöffnet, das Gallardo (Torvet 17). Dessen Essensqualität überzeugt leider nicht. Aber die Optik! Ungewöhnliche Glasmalereien von einem Ende zum anderen.
Zurück gehen wir auf anderen Wegen durch einen kleinen Park und an der Oper vorbei zum Hafen und besteigen die Fähre bei Sonnenuntergang. Wunderschön!
Abends spielen wir ein Escape-Spiel bei Gaby: „Der rätselhafte Zauberwald“ (https://www.moses-verlag.de/Der-raetselhafte-Zauberwald-Escape-Spiel/090395). Wir finden den Ausgang nicht… Dann heißt es wieder Heimlaufen nach Fanø Bad. Nach dem Essen versuchen Klaus und ich, durch die von Autofahrern verursachten tiefen Pfützen an den Strand zu kommen und Bernstein zu suchen. Letzteres gelingt uns nicht – wir haben leider keine Gummistiefel mit in den Urlaub genommen!
Rindby Strand
An unserem letzten Urlaubstag wandern Klaus und ich zwischen den Dünen zum Ort Rindby Strand – noch weniger attraktiv als Fanø Bad! Am Meer entlang geht es dann zurück gen FeWo. Im Fanø Lys (Strandvejen 59, Fanø Bad), wo man auch Kerzen selber ziehen kann, kaufen wir noch drei verschiedene Arten von unveganen Rumkugeln: Apfelsine, Saison und Dubai, und machen uns mit unserer Beute zurück in unser Domizil. Hier gibt es Resteessen (inklusive Rapunzel) und besagte Rumkugeln – lecker!
Nächstes Mal wird unsere Ferienwohnung wohl in Nordby oder Sønderho liegen.









Wanderung von Nes nach Saltangara









Klaksvik: Kunst im Stadtpark
Dann spazieren wir zur Südbucht, vorbei an einem Bild à la Banksy, schauen der Skulptur eines Kopfspringers bei seiner unendlichen Tätigkeit zu und lauschen dem Klackern der Kiesel, wenn sich das Wasser nach jeder kleinen Welle wieder zurückzieht. Schließlich laufen wir ganz in den Südosten zum örtlichen Stadtparkwald, den wir bis auf eine andere Frau ganz für uns allein haben, magisch mit wildem Bach, Bäumen und Fuchsien und unbedingt sehenswert.






