Per Zug von Mannheim nach Bonn

Burg Pfalzgrafenstein, (c) Jörg Braukmann

CO2:
Zugstrecke MA-BO 214km = 5,5kg CO2
Unterkunft in Bonn: privat = 0kg CO2

Zu den schönsten Zugstrecken Deutschlands zählt die Bahnfahrt entlang des Rheins. Schon kurz vor Mainz erhascht man erste Blicke auf den großen Fluss, und danach wird es dann richtig romantisch. Voraussetzung: Du nimmst nicht die vielerorts unterirdische rechtsrheinische Strecke, sondern die linke via Koblenz. Sie führt durch das UNESCO-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ mit seinen Burgen, Kapellen und Weinbergen. 

Auf der rechten Seite kommen zunächst Rüdesheim und das Niederwalddenkmal, dann bei uns Bingen mit dem Binger Loch. Etwas weiter den Strom hinab passieren wir Bacherach, das mich immer an den dortigen Rabbi aus der Feder Heinrich Heines und die Judenverfolgung erinnert. Ganz besonders gefällt mir das Örtchen Kaub: Hier liegt auf einer kleinen Insel mitten im Fluss die rotweiß gestrichene Burg Pfalzgrafenstein. Auf ihrer gegen Eisgang verstärkten Spitze hält ein goldener Löwe Schwert und Wappenschild. Sie stammt aus dem Jahr 1326 und diente der Überwachung des Schiffszolls, nicht als Wohnstatt. Der barocke Turmhelm wurde allerdings erst 1714 aufgesetzt. Die Burg ist heute für Besucher zugänglich und mit einer Personenfähre erreichbar.

Aber nun kommt auch schon die Loreley, eine Felswand am rechten Ufer an der tiefsten und engsten Stelle des Mittelrheins. 1801 von Clemens Brentano galt die Geschichte der dort hausenden Nixe schon zu Heines Zeiten 1824 als altes Volksmärchen:

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Mährchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr gold’nes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr gold’nes Haar.

Sie kämmt es mit gold’nem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Das Gedicht wurde alsbald vertont und war so beliebt, dass selbst die Bücher verbrennenden Nazis es nicht verbieten wollten. Jedoch behaupteten sie, nicht der getaufte Jude Heine, sondern ein Unbekannter sei der Verfasser gewesen.

Nach Koblenz wird die Bahnstrecke etwas weniger romantisch, ist aber immer noch schön. Um 21 Uhr komme ich schließlich am Bonner Hauptbahnhof an und werde von meiner Freundin abgeholt.