
Hinfahrt mit 2 Elektrobussen und Zug: 99,8 km / 4,003 kg CO²
Rückfahrt mit Zug: 156 km / 4,056kg CO²
Unterkunft 18 m², 2 Personen, 2 Nächte: 0,972kg CO²/Person
Es ist nicht unser erster Ausflug nach Ribe – aber das erste Mal, dass wir hier auch übernachten, und das gleich zweimal. Anlass ist der 64. Geburtstag meines Mannes!
Ribe wurde spätestens 710 gegründet und war ein wichtiger Handelsplatz der Wikinger, gelegen an einem damals auch für große Schiffe befahrbaren Fluss, der Ribe Å, und ganz in der Nähe der Nordsee. Das mittelalterlich-romantische Stadtbild ist fast vollständig erhalten geblieben, viele Häuser stammen noch aus dem 15. Jahrhundert und der Dom, drittältester von ganz Skandinavien, ist romanisch mit gotischen Überformungen.
Das Flüsschen verzweigt sich hier zu einem Delta, und so wirkt der heute knapp 9.000 Einwohner zählende Ort ein bisschen wie Venedig oder Amsterdam im Kleinen. Man hört das Tosen des Wassers, das über Wehre schiesst, und immer wieder überqueren wir Brücken aus Holz oder Stein.

Terpager
Um die Mittagszeit kommen wir am Bahnhof an und laufen zunächst zielgerichtet zu Terpager in der Fußgängerzone: Hier gibt es (neben dem ältesten Kaufmannsladen Dänemarks) auch ein Restaurant-Bistro, in einem Fachwerkhaus aus dem Jahre 1442! In den Regalen steht Selbsteingemachtes, das sie für ihre unkonventionellen Gerichte verwenden, und auch das Brot ist selbstgebacken. Mein Mann entscheidet sich für ein veganes Sandwich mit Krautsalat, ich für eine ebenfalls vegane Suppe, dazu trinken wir Kombucha und Rotwein, später noch Espresso, der hier zusammen mit stillem Wasser serviert wird. Das Geschirr ist handgetöpfert, das Ambiente historisch und die Bedienung ausgesprochen freundlich. Ich bin glücklich. Verwundert es euch, dass wir bei jedem unserer Ribe-Besuche hier einkehren? (Anschrift: Mellemdammen 18)
Kunstmuseum
Anschließend gehen wir zum Kunstmuseum. Dieser Bau ist neuer: Der englische Garten wurde 1859 angelegt, die Villa, von den Einheimischen bald nur noch „das Schloss“ genannt, 1864 im historisierend-kitschigen Renaissancestil erbaut. Dem Besitzer Giørts gehörte eine Baumwollfabrik, er war seinerzeit der größte Arbeitgeber Ribes. Nach einer Explosion in seinem Werk ging er jedoch Konkurs und verließ den Ort. Seine Pflegetochter Elisabeth heiratete einen der berühmtesten Söhne der Stadt, den Fotografen und Journalisten Jacob August Riis (siehe dazu auch den Artikel „Abschied von Ribe“, 2.11.25).
Nach seiner Pleite verkaufte Giørts Haus und Grundstück an 15 Bürger der Stadt, und so war der Weg frei für ein Kunstmuseum. Es wurde 1891 eröffnet und ist auf dänische Kunst von 1750-1950 spezialisiert. Im obersten Stockwerk gibt es aber auch Sonderausstellungen, im Moment z.B. eine über die Maleren Ebba Carstensen, 1885-1967 (noch bis zum 18.1.2026). Sie war eine wirklich ungewöhnliche Frau, die unverheiratet mit Mutter und Tochter in Kopenhagen lebte. Vor allem eines ihrer Sommerhausbilder, …., wirkt ganz expressionistisch, magisch und verwunschen.
Da alles im Museumsshop derzeit reduziert ist, kaufe ich noch einen Bildband der Fotografin Kirsten Klein: Mytesteder.
(Adresse: Sct. Nicolai Gade 10)
Hos Helle
In der Nähe des Doms erstehe ich noch einen Kettenanhänger aus Silber in Form eines Drachens. Dann ist es Zeit, unser Quartier „Hos Helle“ am Nederdammen 30 zu beziehen. Es liegt im Hinterhof eines Fachwerkhauses ganz unterm Dach auf 18 m², mit Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsbad. Die werden wir heute Nacht mit zwei deutschen Frauen teilen. Alles ist sehr gemütlich, schlicht und sauber und äußerst individualistisch: Man geht durch Helles Haus, die auf den beiden unteren Etagen wohnt. Und: Die Blumen in unserem Zimmer sind echt! Das alles für nur rund 155€, also weniger als 80€ für 2 Personen pro Nacht, Kaffee und Tee (u.a. Bio-Earl Grey) inclusive. Mehr kann man nicht erwarten! Bin gespannt, wie es sich im Bett schlafen lässt.
Nachdem es dunkel geworden ist, machen wir noch einen Nachtspaziergang und erkunden mehrere Gassen, die wir noch nicht kannten. Alte Straßen, der zunehmende Mond am Himmel, das Rauschen der Ribe Å, einige verkleidete Hexen. Es ist so romantisch!
