
Da ich sechs Jahre in Köln gewohnt und währenddessen teils auch in Bonn gearbeitet habe, ist mir dieser Teil des Rheinlands seit Jahrzehnten vertraut. Deshalb gibt es heute keine Tipps für Anfänger-Tourist*innen.
In den zweieinhalb Tagen, die ich diesmal bei meiner Freundin verbringe, gehe ich viel in den Rheinauen spazieren, mit Blick aufs Siebengebirge. Ein kleine Fähre bringt mich auch rüber nach Nieder- (und Ober-)Dollendorf (gehört zur Gemeinde Königswinter). Die Kirche St. Michael mit ihrem romanischen Glockenturm ist leider geschlossen. Nur aus zweiter Hand kann ich von einer örtlichen Eigentümlichkeit berichten: An drei Tagen im Jahr (Fronleichnam, zur Kirmes Ende September und am Fest des Heiligen Sebastian) wird hier gebeiert. Darunter versteht man ein spezielles Anschlagen der Glocken von Hand, mit besonderen Melodien und Texten. Wenn du mehr über diesem rheinländischen Brauch wissen möchtest, findest du weitere Infos (inkl. einem kleinen Niederdollendorfer Video) hier bei Wikipedia.
Sehr empfehlenswert ist die Bonner Kinemathek in der Brotfabrik, ebenfalls rechtsrheinisch im Stadtteil Beuel gelegen. In diesem Programmkino kannst du Filmkunst jenseits des Ami-Mainstreams erleben. Meine Freundin und ich entscheiden uns für Richard Linklaters „Nouvelle Vague“, eine Hommage an Jean-Luc Godard und das Paris des Jahres 1960. Im Theater der Brotfabrik (selbes Gebäude, selber Stock) werden auch ukrainischsprachige Stücke wie die „Konotoper Hexe“ oder Amateurtheater wie „Circe“ angeboten. Magisch! Und das Kinoprogramm ist abwechslungsreicher als in unserem Flensburger Pendant 51 Stufen, wo die Filme nur einmal pro Woche wechseln.
Ein weiterer Höhepunkt meines diesjährigen Aufenthalts ist der Besuch des modernen Bundeskunsthalle auf der Bonner Museumsmeile. Hier habe ich schon einige wirklich bemerkenswerte Ausstellungen gesehen, diesmal ist es nun eine über Amazonien (läuft noch bis 9.8.2026). Halbethnographisch werden indigene Sichtweisen auf die Welt und die Umsetzung in Kunst gezeigt. Schon der Eingangsbereich in die Ausstellung ist faszinierend! Ich erlerne die Technik des Rundwebens mit Pappteller und Bast und erwerbe eine peruanische Fairtraide-Rassel, eine Kalebasse mit eingeritztem Frosch-Motiv von Amazon Ecology.
Doch nach drei Nächten geht es schon weiter, mein nächster Stopp wird Rothenburg ob der Tauber in Franken sein.
