
Direkt gegenüber dem NYX-Hotel, in dem ich residiere, befindet sich das EinTanzHaus. Es ist in der säkularisierten Trinitatis-Kirche aus den 50er Jahren untergebracht. Hier genieße ich den schönsten Abend meines Mannheim-Aufenthalts. Für 19:30 Uhr laden sie ein zu einem kostenlosen Folk-Abend. Und er ist nicht nur kostenlos, sondern man bekommt in der magischen Kirchenatmosphäre sogar noch etwas geschenkt: An allen Sitzplätzen rund um die Tanzfläche stehen große Teller mit warmer, duftender, vegetarischer Blechpizza und Karaffen mit Wasser.
Zunächst einmal sollen wir uns in Dreiergruppen zusammenfinden und mit einer Polonaise auf die Bühne schreiten. Der Tanz wird immer wilder und geht immer mehr durcheinander, bis wir schließlich alle hellwach, mit klopfenden Herzen und strahlend auf die Sitzbänke fallen, um uns zu stärken und einander vorzustellen. Währenddessen gehen die Tänzer*innen, die uns eingeladen haben, nacheinander von Tisch zu Tisch und erzählen, was sie vorführen und uns beibringen wollen. Eine Inderin ist dabei, zwei türkische Kurdinnen, rumänische Geiger, eine Frau, die sich auf Hulahoop-Kunst versteht, ein Österreicher, der uns Schuhplattler nahebringt, eine Hiphopperin und eine Frau, die die französische Version davon tanzt, die in etwa Danse du Peuple heißt.
Und bei allem heißt es mitmachen! Auch wenn es Begabtere als mich gibt: Es ist wunderschön! Zwischendurch gibt es immer so etwas wie Disko, nur dass die Musik zum Beispiel eine Tarantella ist. Am Ende bedeutet der Österreicher uns, mit den Händen einen Schuplattlertakt auf den Boden zu klatschen. Und da wir nun ja alle schon unten auf der Erde sind, legen wir uns zum letzten Lied der Länge nach hin, schließen die Augen und genießen die Musik.
Als dann die Lichter wieder heller werden, stehen wir auf. Am Ausgang begleiten uns die Rumänen auf ihren Geigen spielend. Es ist 22 Uhr, noch ein klein bisschen abenddämmernd, und am liebsten würde ich mir die Abschiedsmelodie für den Rest meines Lebens merken – und kann sie doch am nächsten Morgen nicht mehr rekapitulieren.
Auf meiner 150-Wünsche-Liste für die nächsten Monate stand u.a. Diskotanz. Dass er auf diese Weise in Erfüllung gehen würde, konnte ich nicht ahnen. Magisch war’s, von der ersten bis zur letzten Minute. Im Juni 2026 findet in der Kirche die nächste kostenlose Folkdans-Party statt. Bitte geht hin!
