
Bus von Harrislee Padborg-Grenze bis FL ZOB und zurück: 2×0,82 = 1,64 kg CO2
Museumszug von Flensburg Bahnhof nach Kappeln/Schlei und zurück: 2×2,07 = 4,14 kg CO2
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Gesamt: 5,78 kg CO2
Netterweise verrät einem der hiesige Verkehrsbetrieb nah.sh direkt, wieviel CO2 man pro Strecke verbraucht (mit einem Museumszug z.B. etwas mehr als mit einem modernen). So braucht man nicht mühsam von den km umzurechnen. Von Flensburg Bahnhof bis Kappeln sind es gut 45km, von der Grenze bis zum ZOB nur 10km – das zeigt eindrücklich, wieviel schlechter ein nicht elektrifizierter Bus gegenüber der Bahn ist). Für einen ökologischen Fussabdruck von einer Erde darf jeder von uns 850 kg CO2 pro Jahr verbrauchen, inkl Essen, Trinken und Wohnen, das sind 2,33kg pro Tag. Alles darüber Hinausgehende bitte mit atmosfair oder Ähnlichem ausgleichen!
Zwischen Ende Mai und Mitte September fährt samstags zweimal täglich eine Museumsbahn von Flensburg in den Süden bis nach Kappeln. Es handelt sich um zwei Waggons der Angelner Dampfeisenbahn gGmbH, Deutschlands nördlichster Museumseisenbahn. Allerdings dampfen die auf dieser langen Strecke eingesetzten Züge nicht, sondern fahren mit Diesel. Der gemeinnützige Verein betreibt an anderen Tagen zwei kürzere Strecken – und die dann tatsächlich mit noch älteren, dampfenden Lokomotiven.
Wir selbst sitzen in zwei roten Triebwagen, einer aus dem Jahre 1961, der andere etwas jünger, 1967. Sie erinnern mich an meine Kindheit: Die Bahn zwischen Fürth im Odenwald und Weinheim an der Bergstraße sah ähnlich aus. Die Motoren sind genauso gebaut wie in Bussen aus jener Zeit, und die Sitze umklappbar, sodass sich jeweils 2×3 Leute gegenüber sitzen können, wenn sie wollen. Zugführer und -begleiter arbeiten allesamt ehrenamtlich und mit großem Engagement. Ausgesprochen abenteuerlich ist diese Fahrt, vor allem im letzten Teil ab Süderbrarup: Hier gibt es fast nur noch unbeschrankte Bahnübergänge, und der Schaffner muss immer wieder abspringen, um Weichen und die wenigen Schranken manuell umzustellen. Rehe mit Kitzen stehen im Gleisbett, Fasane sehen wir, und Hasen hoppeln davon.
Es ist von der ersten bis zur letzten Minute abenteuerlich, kann über den hiesigen Verkehrsverbund gebucht werden und kostet nur unwesentlich mehr als ein normales Zugticket für die Strecke (wo man dann mehrfach umsteigen müsste).
Kappeln selbst hat den Badeort-Bonus, d.h. alle Geschäfte dürften sogar sonntags offen haben. Es ist viel los, zumal gerade ein Kunsthandwerkermarkt direkt an der Schlei (einem Meeresarm der Ostsee) stattfindet, wo mein Mann ein Olivenholzschälchen ersteht. Immer um zwanzig Minuten vor der vollen Stunde öffnet sich die große Klappbrücke, die Angeln mit Schwansen verbindet, damit die vielen Schiffe passieren können.
Wir essen im Tauwerk ASC mit Sicht aufs Meer, wo es zum Glück zwei vegane Gerichte zur Auswahl gibt. Ich entscheide mich für Zitronenspaghetti (mit Knoblauch, Cherrytomaten, Spinat und Kokosmilch) und bin äußerst zufrieden. De facto habe ich schon recht lange nicht mehr in einem Restaurant so gut warm gegessen. Dazu gibt es dänischen Bommerlunder und alkoholfreies Bier, danach Espresso. Achtung: Wenn man (wie mein Mann) ein Fischgericht mit Bratkartoffeln bestellt (er ist Pescetarier), unbedingt dazusagen, dass es ohne Speck sein soll, selbst wenn selbiger auf der Speisekarte nicht erwähnt wird!
Danach will mir das Tote-Hosen-Lied „Eisgekühlter Bommerlunder“ schier nicht mehr aus dem Kopf, zu dem wir in den 80er Jahren in der Hamburger FABRIK manchmal Pogo getanzt haben, zu fortgeschrittener Stunde, versteht sich.
Erwähnenswert sind auch die beiden (großen) Hathi-Läden in der Fußgängerzone, Indienshops mit Weihrauchgeruch, aber eben groß und sehr gut sortiert. Hier finde ich eine zarte wollweiße Bio-Strickjacke (wonach ich in Flensburg vergeblich gesucht hatte) und zwei Baumwolltücher.
Wir treffen noch zufällig einen Ex-Nachbarn aus Padborg, aber dann heißt es schon um 15:20 Uhr, die Museumsbahn zurück in den Norden zu nehmen. Das Erlebnis schreit nach Wiederholung, spätestens, wenn wir demnächst Gäste haben.
