Tagesausflug nach Sylt

Auf dem Zeltplatz der "Aktion Sylt"
Auf dem Zeltplatz der „Aktion Sylt“

Hin- und Rückreise:
von Harrislee Padborg Grenze mit dem Bus nach Flensburg ZOB, von dort mit dem Bus nach Niebüll und anschließend mit dem Zug nach Westerland/Sylt = 2 x 5,92kg CO2 = 11,84kg CO2 (pro Tag sollte man nicht mehr als 2,33 kg CO2 incl. Essen etc. verbrauchen).

Als wir im Radio hören, dass das Verwaltungsgericht in Schleswig die Punker-Aktion Sylt als Dauerdemo vom 20.7.-16.8.2026 genehmigt hat, beschließen wir, hinzufahren und uns selbst ein Bild zu machen.

Es ist unser erster Besuch auf der Insel seit 2004, und er beginnt mit einem kleinen Schock: Der Zug ist sogar mitten unter der Woche mit Tagestourist*innen komplett überfüllt, die vermutlich ebenso wie wir ein Deutschlandticket haben. In Westerland strömen die Massen ins Freie und durch die Fussgängerzone, welche an Trostlosigkeit trotz des sonnigen Wetters kaum zu überbieten ist: Ein Filialist reiht sich an den anderen und nur wenige der Häuser sind alt. Eines dieser hübscheren Häuser beherbergt das Café de Paris. Wir haben beide Hunger, und dort gibt es recht ordentliches veganes Frühstück.

Anschließend laufen wir Richtung Strand und stellen fest, dass die Kurtaxe 4,10€ pro Nase beträgt. Also schauen wir uns die Wellen nur von einer Terrasse aus an und machen uns dann auf zum Lager der Aktion Sylt.

Mein Anliegen ist, jemanden zu finden, der oder die einen Artikel für die Graswurzelrevolution schreiben will. Und tatsächlich notiert sich auch ein junger Mann alles Notwendige in sein Handy. Wir streicheln die Hündin Molotow und nehmen am Plenum teil – sehr spannend. Es stehen bestimmt 80 Zelte auf dem Platz. Insgesamt ist Punk aber nicht meine Welt, und so verabschieden wir uns nach einer Stunde.

 

Typisches Keitumer Haus
Typisches Keitumer Haus

Um der Westerland-Trostlosigkeit zu entgehen, fahren wir mit dem Zug eine Station zurück nach Keitum. Ich hatte es als schönstes Dorf Sylts in Erinnerung, und tatsächlich gefällt es mir hier mit den vielen, vielen reetgedeckten Häusern wesentlich besser. 

In der Kleinen Teestube genieße ich ein veganes Banana Bread und einen China Lung Ching-Tee. Eigentlich ist es sehr heimelig hier, wenn nicht der ganze Ort von Möchtegern-Schickimickis und Alligator-Hemden nur so wimmeln würde. Wir ignorieren sie nach Kräften und gehen nach der Café-Stärkung zum Grünen Kliff, steigen hinab und machen einen kleinen Spaziergang am Wattenmeer.

Auf dem Rückweg besichtigen wir noch die Kirche St. Severin, die im 11. Jahrhundert über einem heidnischen Heiligtum errichtet wurde. In ihrer Apsis steht ein spätgotischer Altar, auf dem tatsächlich Gott dargestellt ist, von dem sich die Christen ja eigentlich kein Bild machen sollen. Außerdem beherbergt die Kirche die größte Orgel Nordfrieslands. Sehenswert!

Auf dem Rückweg haben wir Pech: Die Bahn fährt soviel Verspätung ein, dass wir den Anschlussbus in Niebüll nicht bekommen und uns eine Stunde im Bahnhofscafé vergnügen müssen. Aber wenigstens spielt das Wetter mit, bis wir wieder zu Hause angelangt sind.

Es zieht mich nicht sonderlich noch ein drittes Mal nach Sylt. Falls ich doch dorthin kommen würde, würde ich mich auf Megalithgräber und andere Überbleibsel aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit konzentrieren wollen.

 

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