
Padborg-Hamburg-Lübeck per Zug: 2x 230 km à 26g = 11,96kg
2 Nächte im Motel One, 16 m², pro Nase: 0,864kg
Gesamt: 12,824kg
Jahresbudget incl. Essen und Trinken: 2.000 kg
Für ein romantisches Wochenende zu zweit ist Lübeck ideal! Ich hatte Klaus zu Weihnachten einen Gutschein für’s dortige Wassertheater geschenkt, und den wollte er nun (März 2026) einlösen. Zum Übernachten entschieden wir uns schnell für das Motel One (Schüsselbuden 15, https://www.motel-one.com/de/hotels/luebeck/hotel-luebeck/), weil direkt am Rathausmarkt mitten in der Altstadt gelegen. Um er kurz zu machen: Wir haben die Wahl nicht bereut, obwohl die Kirchenglocken mit der Zeitumstellung lautstark zu kämpfen hatten. Das Motel bemüht sich um Nachhaltigkeit, auf dem Frühstücksbuffet ist fast alles bio (mit erstaunlich vielen veganen Optionen) und das Hotelpersonal wirklich außergewöhnlich freundlich. Mit einem Wort: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt zu 100%.
Auch mit der Deutschen Bahn hatten wir diesmal auf beiden Strecken Glück – sämtliche Züge waren pünktlich!
Die Altstadt von Lübeck ist UNESCO Welterbe, und das zu Recht. Romantischer kann eine deutsche Stadt nicht sein. Und es dort ist viel mehr los als im fast dreimal so großen Stuttgart – Menschen in Cafés, kreative Geschäfte und vieles mehr. Am liebsten würde ich mir dort eine Ferienwohnung kaufen, aber das gibt unser Budget nicht her. So weiß ich jedoch sicher: Wir kommen wieder!
Zunächst einmal heißt es nach unserer Ankunft: den Hunger stillen, und das tun wir im Marae – Kaffee & Zauberei (Engelsgrube 59, https://marae.de/). Hier ist alles vegan, fast alles bio – und darüber hinaus schmeckt es einfach klasse. „Marae“, verraten uns die Besitzer, werden die Gemeinschaftshäuser der Ureinwohner Neuseelands (Maori) genannt, in denen sich die Menschen treffen, um zu essen, zu trinken, sich zu unterhalten & zu beratschlagen, oder einfach Zeit zusammen zu verbringen. Und von Neuseeland schwärmen sie beide. Gemütliches Ambiente, rundum empfehlenswert!

Anschließend wollen wir ins Buddenbrookhaus (Mengstr. 4), aber das ist geschlossen und wird bis 2030 renoviert, wovon die Webseite kein Sterbenswörtchen erwähnt. Also besuchen wir das Niederegger Marzipanmuseum (Breite Str. 89, https://www.niederegger.de/). Es ist ein bisschen versteckt, zuerst muss man durch den Laden im EG, dann durch’s Café im 1. Stock, um schließlich im 2. Stock alles über die Geschichte der Marzipanherstellung zu erfahren. Da’s keinen Eintritt kostet, kann ich den Besuch empfehlen. Hier siehst du das Holstentor aus Marzipan, lebensgroße Menschen aus selbigem Stoffe und kannst dich auf Tafeln informieren. Marzipan galt früher einmal als Heilmittel und wurde in Apotheken verkauft! Das Café hingegen ist altbacksch, der Shop überfüllt. Es gibt zwar veganes Marzipan, aber kein Bio. Wir kaufen deshalb nichts ein.
Nach einem kurzen Abstecher zum Hotel kann ich meinen Mann überreden, mit mir zur Breiten Str. 13 zu laufen. Dort befindet sich ein weiterer Marzipanhersteller, nämlich Mest (https://www.mest.de/). Hier geht es ganz anders zu als beim von Touris überlaufenen Niederegger: ruhig, gelassen, freundlich. Und: Es gibt nicht nur veganes Marzipan, sondern auch Bio! Wir decken uns ein und sind rundum zufrieden. Nähere Informationen findest du hier: https://magische-weihnachten.de/luebecks-bestes-marzipan-bei-mest/.
Für den Abend haben wir uns kurzfristig Tickets für die Musik- und Kongresshalle Lübeck besorgt (Willy-Brandt-Allee 10, https://www.muk.de/). Die Norwegerin Tabita Berglund dirigiert das NDR Elbphilharmonie Orchester, Solist ist der russische Pianist Alexander Melnikov. Ein kurzes Werk des (wie wir leider erfahren müssen: Faschisten) Geirr Tveitt steht auf dem Programm, gefolgt von einem Klavierkonzert Tschaikowskys und einer Sinfonie von Sibelius. Vom musikalischen Gesichtspunkt her ein gelungener Abend, aber die Architektur der MUK ist eine Katastrophe. Wir hatten uns Karten in der Billigkategorie 4 gekauft – und das bedeutete, dass die Füße in der Luft baumelten! So etwas habe ich noch nie erlebt. Ab davon gab es im 2. Rang gerade einmal 2 (zwei!) Toiletten Unisex. Da es nicht ausverkauft war, haben wir uns in die Kategorie 3 umgesetzt, wo immerhin die Füße zwar nicht komplett, aber doch so einigermaßen den Boden erreichten – wirklich bequem war es dort immer noch nicht. Die MUK setzt auf Nachhaltigkeit, aber was habe ich davon, wenn mir die Blutzirkulation in den Beinen abstirbt?

Tags darauf sind wir Landpomeranzen erstmal bei Regen shoppen gegangen. Die spannendste Buchhandlung Lübecks (wir haben vier besucht) ist nach meinem Dafürhalten die maKULaTUR (Hüxstr. 87, https://www.makulatur.com/kontakt.html). Hier kaufe ich gleich mehrere Titel ein und fühle mich auch im Nachhinein bestätigt: Die Besitzerinnen haben 2016 und 2018 den Deutschen Buchhandlungspreis bekommen (wir erinnern uns, das ist der, den der unsägliche Kulturminister Weimer den linken Buchhandlungen seit 2026 nicht mehr verleihen will).

Im Weltladen Lübeck (Hüxstr. 83-85, https://weltlaeden.de/luebeck/) erstehe ich Bio-Kümmel, der eh auf unsrer Padborger Einkaufsliste stand. Ganz ungewöhnlich ist auch der Manufakturladen „Goldener Hirsch“ (Hüxstr. 76, https://www.goldenerhirsch-luebeck.de/). Hier gibt es Nachhaltiges und Faires aus der Region, nämlich Made by 35 Nordlichtern. Mich verlocken Bienenwachs-Baumkerzen, natürlich teuer als bei dm, aber eben auch norddeutsche Handarbeit. Egal, für was du dich interessierst, ein Besuch lohnt hier auf jeden Fall!
Inzwischen hat uns der Kuchenhunger gepackt. Wir gehen deshalb zur Parallelstraße. In der ONE Fairtrade Altstadtrösterei (Fleischhauerstr. 81, https://onefairtradeshop.de/pages/cafe-luebeck-one-altstadtroesterei) kannst du im historischen Ambiente (einem Dielenhaus aus dem Jahre 1479) shoppen und schmausen. Ich entscheide mich für eine vegane Hefe-Zimt-Schnecke und einen Bio-Americano. Zum Abschluss bekomme ich noch ein Stempelkärtchen: Der 10. Kaffee wird auf’s Haus gehen.

Doch nun ist es wieder Zeit für einen Museumsbesuch. Lübeck beherbergt gleich mehrere Figuren-/Marionettentheater, und in einem davon, dem Kolk 17 (in der gleichnamigen Straße, https://kolk17.de/de) gibt es auch ein wirklich spannendes Mitmach-Museum. Zur Zeit läuft die Ausstellung „Figurentheater – Spiel des Lebens“. Wir dürfen Marionetten an ihren Fäden bewegen (es wird mittels Schautafeln erklärt, wie man das macht) – die Menschen, die auf der Straße vorbeigehen, haben die Möglichkeit zuzuschauen. Wie funktioniert eine bunt gefärbte Straußenfeder als Figur? Und wie kann ich mir am Computer einen Marionettenavatar basteln und ihn chinesische Puppenspiel-Abenteuer bestehen lassen? Von den spannendsten Marionetten gibt es kleine Kärtchen zum Mitnehmen, und so weiß ich nun: Die schwerste Figur der Sammlung wiegt über 7kg, die leichteste weniger als ein Gramm. Aus Südostchina stammt eine rätselhafte Eisenstabfigur. Älteste Figur der Sammlung ist eine Marotte, die es bis zum Eintrag in Wikipedia gebracht hat: Bevor der Ausdruck Marotte eine schrullige Angewohnheit bezeichnete, war er eine Stabfigur und nicht nur ein Requisit, sondern auch das Sprachrohr des Hofnarren, der sie bewegte. Die Marotte durfte Kritik üben, die seinem Spieler sonst verboten war. Wir sind vom Museum rundum begeistert. Übrigens: Jeden ersten Mittwoch im Monat findet hier nachmittags von 15-17 Uhr ein Forschungscafé statt, wo man Figuren ausprobieren, Szenen entwickeln, Fragen stellen und vieles mehr kann. Im Museumsshop kaufen wir noch einen kleinen Korkenkopf namens Lydia. „Nicht er, sondern seine Pralinen weckten die größere Leidenschaft in Lydia“, heißt es im Begleitprospekt der Künstlerin Renate Ellereit-Laube aus Garbsen. Inzwischen sitzt sie mit genießerisch geschlossenen Augen auf unserer Rotweinflasche hier in Padborg….

Dann laufen wir einmal quer durch die Altstadt zum Café Affenbrot (Kanalstr. 70, https://cafeaffenbrot.de/). Es ist ein vegetarisch-veganes Café-Restaurant, möglichst regional und konsequent Bio. Vermutlich das älteste seiner Art in Lübeck, und die Leute wirken so, wie man sich die Alternativen im 20. Jahrhundert vorstellte. Viele Männer mit schönen, langen Haaren… Vom Ambiente her nicht ganz so gemütlich wie das Marae, aber durchaus nett. Ich trinke Tee, Espresso, Limoncello und speise Falafelbratlinge mit Salat. Gesamtnote gut.

Doch nun ist es endlich so weit: Der Anlass unseres Lübeck-Besuches, das Wasser Marionetten Theater (Kanalstr. 108, https://www.wassertheater.de/) öffnet seine Pforten, und wir sitzen sogar in der ersten Reihe! Es ist eine Zwei-Personen-Show des Ehepaares Wolf und Anna Malten, er spielt Flügel und erzählt, sie bewegt die Figuren. Schon seit 36 Jahren gibt es das Theater, mit eigens für das Leben im Aquarium entworfenen Marionetten. 3.000 Liter Wasser fasst das Becken, und das Stück heißt „Waterstories“: „Kaum waren die Figuren ihren dunklen Kisten entstiegen, erzählten sie uns ihre Träume. Wir haben gelauscht und ihre Geschichten sichtbar gemacht: in fantastischen Bildern, Worten und Musik. Die Sprache dieser Figuren ist ihre Bewegung. Sie schweben und tanzen unter Wasser, im wahrsten Sinne des Wortes traumhaft“ – so werben die beiden für die Vorstellung. Das Ganze erinnert ein wenig an das Prager Schwarze Theater – nur dass es eben unter Wasser stattfindet. Wirklich einzigartig und traumhaft, da haben sie recht – ich hätte mir allerdings ein klein bisschen mehr Handlung gewünscht. Trotzdem würde ich jederzeit gerne wiederkommen.

Am nächsten Morgen checken wir nach einem üppigen Frühstück aus und laufen mit unserem Gepäck zum Museum Behnhaus (Königstr. 9-11, https://museum-behnhaus-draegerhaus.de/), das seit November 2025 nach Renovierung wieder geöffnet hat. Das Behnhaus hat eine lange Baugeschichte, deren Anfänge im Mittelalter liegen. Der älteste Teil ist der durch die Sanierung nun zugängliche Keller. Dessen Mauern stammen aus dem späten 13. Jahrhundert. Du solltest unbedingt dorthin gehen, auch wenn du nicht aufs Klo musst – er ist, auch in der Art, wie sie ihn wieder hergerichtet haben, eine Sehenswürdigkeit für sich! In seiner heutigen Form wurde das Haus um 1800 im Stil des Klassizismus errichtet, und die einzelnen Räume sind mit wunderschönen Decken- und Wandmalereien geschmückt. Das Museum präsentiert Schätze von Caspar David Friedrich bis Edvard Munch, also Romantik bis klassische Moderne. Viel ist es nicht, das Museum bildet mit dem Haus nebenan, dem Drägerhaus, eine Einheit – und hier wird momentan noch fleißig saniert. Man kann also gespannt sein, wie umfangreich die Präsentation nach Abschluss der Bauarbeiten sein wird. Besonders angetan hat es mir übrigens ein Bild des Romantikers Carl Blechen, Landstraße im Winter bei Mondschein – die Äste der kahlen Bäume formen eine Art gotischen Spitzbogen à la Mittelalter, ohne dass er in idealistische Überhöhung der Landschaft oder Biedermeier-Kitsch abgleiten würde. Du kannst dir das Bild hier online anschauen: https://sammlung.museum-behnhaus-draegerhaus.de/werk/landstrasse-im-winter-bei-mondschein-25.

Zum Abschluss unseres Lübeck-Aufenthaltes treibt es uns noch einmal in eines der vielen vollbesetzten Cafés: das Kaffeehaus Lübeck (Hüxstr. 35, https://kaffeehaus-luebeck.de/), ein Backsteinbau aus dem 13. Jahrhundert mit Stufengiebel, wo ich eine leckere vegane Brombeerbaisertorte genieße, zusammen mit einem Americano.
Dann heißt es Abschied nehmen. Bei strahlendem Sonnenschein laufen wir zurück zum (übrigens ebenfalls sehr schönen und alten) Kopfbahnhof und erfreuen uns daran, dass auch diesmal alle Züge pünktlich sind. Schön war’s! Wir kommen wieder, zumal wir noch laaaange nicht alles gesehen haben!
