Rothenburg und der Meistertrunk

Rothenburg: Heereslagernde unterm Torbogen
Rothenburg: Heereslagernde unterm Torbogen

Jedes Jahr am Pfingstwochenende verwandelt sich das mittelalterliche Frankenstädtchen in ein Heereslager aus dem Dreißigjährigen Krieg, bei dem gefühlt mindestens die Hälfte der Rothenburger*innen mitmacht – und das seit 1881. Dabei sind allerdings mehr Männer mit von der Partie als Frauen, und das Ganze hat durchaus den Charakter eines fröhlichen, mehrtägigen Besäufnisses wie beim Kölner Karneval.

Damals soll sich Folgendes zugetragen haben: Der katholische Generalissimus Tilly hatte 1631, nachdem der Widerstand Rothenburgs gebrochen und die Stadt von seinen 60.000 Soldaten erstürmt worden war, die Ratsherren der protestantischen Reichsstadt Rothenburg zum Tode verurteilt und wollte die Stadt brandschatzen und plündern lassen. In ihrer Not boten ihm die Ratsherren als Willkommenstrunk Wein in einem prachtvollen bunten Glashumpen an, der 3 ¼ Liter fasste. Tilly wurde dadurch milde gestimmt und sagte, wenn jemand diesen Humpen voll Wein in einem Zuge austrinken könne, würde er die Stadt verschonen. Altbürgermeister Georg Nusch meldete sich freiwillig, und zu jedermanns Erstaunen gelang es ihm, den Becher in einem Zug zu leeren. Tilly war davon so beeindruckt, dass er die Stadt verschonte. Und abzog. Jubel!

Jubel! wird deshalb immer wieder gerufen, wenn die Kostümierten durch die Stadt ziehen, ähnlich wie Alaaf! in Köln oder Narri-Narro! in Stuttgart.

Und was kann man hier nicht alles erleben: Zunächst einmal besuchen meine Freundin und ich das Theaterstück im Rathaus (in der 3. Kategorie kosten die Karten nur 9€). Hier wird der Meistertrunk Nuschs von Lai*innen aufgeführt, mit vielen Kompars*innen dazu. Seit 2016 gehört das Festspiel zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Der historische Händler- und Handwerkermarkt rund um die Hauptkirche ist ebenfalls ausgesprochen sehenswert. Ich erwerbe ein Eschenparfum! Auf dem Marktplatz tanzen die Schäfer*innen, und dazu kommt der große historische Heereszug. Vor den Toren der Stadt gibt es ein großes Feldlager mit Festbetrieb und Livemusik. Natürlich machen auch die örtlichen Museen mit und bieten Sonderevents an. Wer will, kann sich auch einen Rothenburger Kupferpfennig prägen lassen. Und eine Frauengruppe zeigt, wie im 17. Jahrhundert die Kinder gespielt haben. Zum Mitmachen selbstverständlich!

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