… und noch mehr Sehenswertes in Rothenburg

Blick vom Taubertal auf Rothenburg
Blick vom Taubertal auf Rothenburg

Auch unabhängig von den Pfingstfestspielen und allem, was mit dem Ort als ganzjähriger Weihnachtsstadt zu tun hat (siehe unter dem Suchbegriff „Rothenburg“ meinen Blog Magische Weihnachten,) haben das Städtchen und seine unmittelbare Umgebung viel zu bieten.

Das fängt schon bei meiner Ferienwohnung an, dem Gästehaus Liebler, in einem uralten Haus mitten in der Altstadt gelegen. Wenn man von den vielen Mahnungen zur Sauberkeit usw. einmal absieht (alles, was abhängbar war, habe ich abgehängt) ist es hier sehr gemütlich, sauber und ruhig, und die Vermieterin eine Nette!

Zum Bio-vegan-Einkaufen kann man natürlich Lidl & Co. heimsuchen, es gibt aber auch innerhalb der Altstadt einen wirklich guten Ökoladen: Vreiman in der Galgengasse 52, direkt am Würzburger Tor. Hier hast du die Wahl zwischen regional (ich erstehe z.B. ein fränkisches Kürbiskernöl) und fair aus aller Welt, veganen, klassischen und trendy Produkten – alles und immer bio. Dazu eine kompetente Belegschaft. Achtung: Sie machen von 13 bis 14 Uhr Mittagspause und haben samstags per se nur bis 13 Uhr geöffnet.

Auch wenn es weder bio noch vegan ist, kann ich die Chocolaterie Grand Cru am Plönlein nur empfehlen. Hier werden die wunderbaren Pralinen der Chef-Patissière und Konditormeisterin Anna Kaerlein-Seip aus Burgbernheim verkauft – zum Dahinschmelzen! Sie wirbt mit „Patisserie aus Leidenschaft – Chocolaterie in Perfektion“ – und das stimmt. Außerdem bietet sie Nachmittagskurse für alle Interessierten an. Warum also nicht lernen von einer Frau, die bereits die olympische Goldmedaille in der Patisserie gewonnen hat?

Knapp 2km sind es zu Fuss von unserer Unterkunft zur romanischen Kirche St. Peter und Paul im eingemeindeten Dörfchen Detwang durch das wunderschöne Taubertal. Hier besuchen wir den Pfingstgottesdienst bei einer leider sehr konservativen Pastorin und bewundern das Kreuzigungs-Retabel aus der Werkstatt Tilman Riemenschneiders. Auch eine Hlg. Barbara (meine Namenspatronin) aus dem 16. Jh. ist auf einem der Seitenaltäre zu finden. Auf dem Rückweg laufen wir auf der anderen Seite der Tauber und entdecken so das Topplerschlösschen. Es wirkt, als würde es auf einem Bein stehen, und erinnert mich an die Hütte der russischen Hexe Baba Jaga. Auf der sehenswerten Doppelbrücke aus dem Jahr 1330 überqueren wir das Flüsschen und steigen via dem märchenhaft wirkenden und an Harry Potter-Filme erinnernden Hotel Wildbad (wo man in malerischer Atmosphäre einen Espresso trinken kann) wieder hinauf zum Stadtzentrum. Übrigens: Mit ein bisschen Suchen findet man auf der Rothenburger Seite der Doppelbrücke auch den Zugang zum Stadtteil Kobolzell. Die katholische Kirche St. Johannis dort ist ebenfalls denkmalgeschützt, aber aus Geldmangel nur zu den Gottesdienstzeiten geöffnet.

Spannend ist auch die Franziskanerkirche in der Altstadt. Unmittelbar neben ihr erinnert eine Gedenktafel an den späteren Papst Franziskus aus Argentinien, der 1986 zwei Monate in Rothenburg verbrachte und in der Judengasse wohnte. Die Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert. Mehr als die ganzen Antiquitäten dort interessieren mich aber die fünf modernen, sandgelben Kirchenfenster von Prof. Johannes Schreiter, die den Sonnengesang des Franz von Assissi (1181/82-1226) darstellen: links Bruder Feuer, Bruder Wind, Schwester Sonne & Bruder leiblicher Tod in der Mitte, rechts dann Schwester Wasser und Schwester Mutter Erde. Ich entdecke diesen Sonnengesang erstmals für mich, der fast etwas Schamanisches hat: „Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsere Mutter Erde, die uns versorgt und ernährt und vielerlei Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“

Als meine noch im Berufsleben stehende Freundin schon zurück nach Stuttgart gefahren ist, besuche ich noch die Schäfertanzkirche St. Wolfgang. Schäferei und Wollhandel hatten im mittelalterlichen Rothenburg eine große Bedeutung. Am Klingentor verehrten die Schäfer ihren Schutzheiligen. Von 1475 bis 1492 wurde dort eine reizvolle Wehrkirche errichtet über den Kasematten der Klingentorbastei. Der Marienaltar im Nordflügel zeigt die Madonna im Strahlenkranz und an den Seiten Bilder aus ihrem Leben (um 1500). Das wirklich Sehenswerte aber ist der Abstieg in die Kasematten und später der steile Aufstieg bis ins Dachgeschoss. Dazwischen ist ein kleines Schäfertanzmuseum untergebracht, und gegen Einwurf einer Münze drehen sich auch die entsprechenden Figuren im Kreis. Im Wehrgang unterm Dach ist eine Pestnase zu bewundern, und man erfährt einiges über die Bombardierung Rothenburgs kurz vor Ende des 2. Weltkriegs. Achtung: Die schmalen, steilen Stufen sind für Leute mit Gehbehinderung oder Schwindelanfälligkeit nicht geeignet!

Im "Lebenslust" gibt es mehrere vegane Kuchensorten zur Auswahl.
Im „Lebenslust“ gibt es mehrere vegane Kuchensorten zur Auswahl.

Zum Abschluss noch der Hinweis auf zwei nette Lokalitäten: Das Café Lebenslust befindet sich in der Altstadt direkt gegenüber der St. Jakobskirche. Die Wände sind mit Gemälden verziert, der Holzfussboden von Steinmosaiken durchbrochen. Hier gibt es außerdem jede Menge Konzerte und Tanzkurse – und äußerst leckeren veganen Kuchen!

Wie der Biomarkt Vreiman, so liegt auch das Café einzigartig in der Galgengasse, wo man auf Shabby Chic steht. Hier sitze ich bei weitgeöffneten Fenstern in angenehm kühlem Schatten und genieße Espresso und Erdbeerschorle. Es gibt Milchalternativen für Cappuccino & Co. Zum Frühstück wäre eine „Vegane Verführung“ möglich, auch Sojaghurt mit Obst und selbst ein veganes Panino mit Grillgemüse, Ajvar und Rucola könnte man essen (wenn man nicht wie ich in der Ferienwohnung kochen kann).

Zusammengefasst: Rothenburg ist konservativ bis auf die Knochen – und trotzdem eine Reise wert. Ich habe es nicht bereut, sechs Nächte dort verbracht zu haben.

 

 

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